Die Landesregierung stärkt die Bekämpfung und Prävention von Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Mit insgesamt 15 Modellprojekten fördert das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales neue Ansätze zur Vermeidung und Überwindung von Wohnungslosigkeit. Dafür stehen mehr als 6,1 Millionen Euro bereit.
„Eine eigene Wohnung ist weit mehr als ein Dach über dem Kopf. Sie bedeutet Schutz, Privatsphäre und Selbstbestimmung und ist ein Rückzugsort. Mit unseren Maßnahmen verhindern wir Wohnungsverluste frühzeitig, verbessern den Zugang zu dauerhaftem Wohnraum, unterstützen Menschen beim Übergang aus stationären Einrichtungen in eigenen Wohnraum und schaffen passgenaue Angebote für besonders schutzbedürftige Menschen“, sagte Sozialministerin Heike Hofmann auf der heutigen Pressekonferenz in Wiesbaden zur Vorstellung der Maßnahmen.
Housing First und Schnittstellenmanagement
Sechs der 15 Modellprojekte fördern den Aufbau von Fachstellen zur Wohnraumsicherung. Sie beraten Menschen, deren Wohnung beispielsweise durch Mietschulden, Kündigungen oder Konflikte mit Vermieterinnen und Vermietern gefährdet ist.
Weitere sechs Projekte setzen den Housing-First-AnsatzÖffnet sich in einem neuen Fenster um. Dabei erhalten wohnungslose Menschen zunächst eine eigene Wohnung und werden anschließend durch Fachkräfte dabei unterstützt, ihre Lebenssituation dauerhaft zu stabilisieren.
Zwei Modellprojekte verbessern das sogenannte Schnittstellenmanagement. Sie richten sich an Menschen, die etwa nach einem Aufenthalt in einer Klinik, einer stationären Einrichtung oder nach der Haftentlassung keine gesicherte Wohnperspektive haben. Dadurch soll verhindert werden, dass Menschen an solchen Übergängen wohnungslos werden oder ohne passende Hilfe bleiben.
Ein weiteres Modellprojekt schafft in Frankfurt am Main einen geschützten Tagesaufenthalt für wohnungslose Frauen. Dort erhalten Betroffene Beratung, Unterstützung und einen geschützten Ort, von dem aus weitere Hilfen vermittelt werden können.
Modellprojekte in Stadt und Land
Die Projekte werden in den Städten Frankfurt am Main und Kassel sowie in den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Lahn-Dill, Main-Taunus und Vogelsberg umgesetzt. Damit werden sowohl Ballungsräume als auch ländlich geprägte Regionen berücksichtigt. Die Modellvorhaben sollen Erkenntnisse liefern, die auch über die einzelnen Standorte hinaus für die Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe in Hessen genutzt werden können.
„Mit unseren Modellprojekten schaffen wir Chancen für Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind. Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben. Wohnen ist ein Menschenrecht“, betonte Ministerin Hofmann.
Die Modellprojekte sind Teil der ressortübergreifenden Gesamtstrategie der Landesregierung gegen Wohnungslosigkeit. Ziel ist es, Wohnungsverlust möglichst zu verhindern, Wohnungslosigkeit dauerhaft zu überwinden und Menschen den Weg zurück in ein eigenständiges Leben zu erleichtern.
Der Vorsitzende der Hessen Caritas Jörg Klärner sagte auf der Pressekonferenz: „Dass insgesamt 15 Modellprojekte vorgestellt werden, ist aus Sicht der Freien Wohlfahrtspflege ein wichtiges Signal: Wohnungslosigkeit ist keine Randfrage. Sie ist eine der härtesten Formen von Armut – und sie berührt zentrale Fragen von Würde, Sicherheit und Teilhabe.“
Menschen besser unterstützen
Vom Landkreis Darmstadt-Dieburg, in dem drei der neuen Projekte angesiedelt sind, erklärte die Fachbereichsleiterin Soziales und Teilhabe Gabriele Kühnle: „Wohnungslosigkeit kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Umso wichtiger ist es, Hilfen so auszurichten, dass sie die Menschen und ihre jeweilige Situation in den Mittelpunkt stellen. Die Modellprojekte sind ein wichtiger Schritt, um bestehende Hilfen weiterzuentwickeln und Menschen in schwierigen Lebenslagen besser zu unterstützen.“
Zum Stichtag 31. Januar 2025 waren in Hessen 29.035 Menschen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht. Die vom Land beauftragte GISS-StudieÖffnet sich in einem neuen Fenster macht darüber hinaus deutlich, dass die tatsächliche Zahl der von Wohnungslosigkeit betroffenen oder bedrohten Menschen deutlich höher liegt. Die Studie weist ergänzend insbesondere auf Menschen ohne Unterkunft, verdeckt wohnungslose Menschen sowie Personen hin, die akut vom Verlust ihrer Wohnung bedroht sind. Berücksichtigt man diese weiteren Erscheinungsformen von Wohnungslosigkeit, sind mindestens rund 34.000 Menschen in Hessen betroffen oder akut bedroht.